Vorwort
Der Vorstand des TuS Hemslingen-Söhlingen e. V. entschloss sich im Jahre 1986, eine Chronik zu erstellen. Da es aus den Gründerjahren keine Aufzeichnungen, aber noch Gründungsmitglieder gab, wurde von dem 1. Vorsitzenden Gerhard Lüdemann und Frau Heidi Schulze-Eickenbusch eine Befragung zu den Ereignissen und Geschehnissen in dieser Zeit durchgeführt.
Die Befragungsergebnisse der Gründungsmitglieder : Wilhelm Bleckwedel, Adolf Diercks und Else Lüdemann bilden die Grundlage dieser Chronik bis zu den vorhandenen Aufzeichnungen und Protokollen.

Im ersten Weltkrieg, 1917 erließ der damalige Kreistag Rotenburg - Hannover eine Verfügung, nach der in allen Dörfern und Städten ein Turnverein zu gründen sei. Diese neuen Vereine sollten die vormilitä-rische Ausbildung fördern und zur Gründung von Jugendwehren beitragen.
Otto Lüdemann (Dischers) aus Söhlingen war Kreistagsabgeordneter und versuchte in seiner Position viele interessierte Leute verfügbar zu machen.
Doch bedingt durch den Krieg war die Auswahl nicht groß. So wurde der Verein mit etwa 20, überwiegend jugend- lichen Mitgliedern gegründet. Otto Lüdemann wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt. Am Turnen waren alle Mitglieder des jungen Vereins interessiert, aber keiner von ihnen hatte irgendwelche Erfahrungen oder Kenntnisse. Alles, was man lernen wollte, mußte man sich selber beibringen.
Geturnt wurde in Heitmann´s Gasthof im Saal, auf harten Kokosmatten und im Schein von Stall- Laternen.
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Nach einem Jahr voller Aktivitäten dachte man 1918 an neue Sport-arten. Die Disziplinen waren Kugelstoßen, Stabhoch- sprung und Diskuswerfen.
Ein junges Talent machte im Stabhochsprung auf sich aufmerksam. Wilhelm Bleckwedel (Behrens) übersprang eine be- achtliche Höhe von 3 m. Im selben Jahr stiftete die Gemeinde einen Holzbarren und der Verein schaffte ein Reck an.
Neue Initiativen wurden durch Lehrer Wilhelm Lüdemann (Reinkens) gegeben, der 1919 an die Hemslinger Schule kam. Er förderte den Schulsport und weckte Talente.
Das erste Turnfest, das der junge Verein mitmachte, war 1920 in Brockel. Unsere junge Riege war vor allem im Geräte- turnen noch nicht medaillenreif. Dennoch war die Begeisterung groß. Den Abschluß bildete eine Laufstaffel, die gewonnen wurde.
1921 übernahm Wilhelm Lüdemann (Reinkens) die Vereinsführung und kümmerte sich besonders um die Leichtathletik.
Die Turner waren Teilnehmer bei einem Turnfest in Visselhövede. Wilhelm Bleckwedel, seit 1918 Turnwart, wurde Kreis- meister am Pferd.
1922 wurden in unserem Verein Mannschaftssportarten wie Schlagball- und Handball aufgenommen. Das Schlagball- spiel hatte alte Tradition. Es wurde schon lange vor Gründung des Vereins betrieben, im Kampf „Dörp gegen Word“. Im Handballspiel war der Verein einige Zeit im Landkreis führend.
In diesem Jahr war Scheeßel Ausrichter des Kreis- Turn- und Sportfestes, an dem auch der „TuS Hemslingen- Söhlingen“ teilnahm.Geschäftsführer wurde 1923 C. A. Claaßen, der bei der Mühle tätig war. Sein Ziel war, die Frauen in den Verein einzubeziehen.
Die Frauen machten in den nächsten Jahren mehr und mehr von sich reden. So kam es 1930 zur Gründung einer Frauen- turngruppe.Die Turnmatten nähten sich die Frauen selber und stopften sie mit alten Lumpen aus.
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Im gleichen Jahr, 1930, errang Wilhelm Bleckwedel (Behrens) den Kreismeistertitel im Stabhochsprung. Zwei Jahre später beendete er seine aktive Sportlerlaufbahn und übergab das Am des Turnwartes an Adolf Kregel (Söhlingen).
1934 wurde Else Versemann als Vorturnerin der Frauengruppe gewählt. Die Frauen waren mit Eifer bei der Sache und nahmen auch an überörtlichen Veran- staltungen teil. So wurde beim Kreis- Turn- und Sportfest in Sottrum der 2. Platz erreicht. Zusätzlich übernahm Else Versemann 1936 das Kinderturnen, das am Sonntag- nachmittag stattfand. In dieser Zeit wurde sie von Lotti Böhling beim Frauenturnen unterstützt
1939 begann der 2. Weltkrieg und endete 1945.
In dieser Zeit ruhten alle Aktivitäten im Turn-und Sportverein Hemslingen- Söhlingen.
Nachdem Angst und Schrecken des Krieges und des 3. Reiches vorüber waren, begann eine neue Phase im Verein.
Deutschland war von Besatzungsmächten besetzt. In Niedersachsen bestimmten die Engländer. Das erschwerte unseren Neuaufbau. Ein Notvorstand wurde von Adolf Diercks, Wilhelm Lüdemann (Ottens), Käthe Indorf und Elsbeth Winkelmann gebildet. Diese mußten laut Vorschrift entnazifiziert werden. Ihre Konten wurden vorübergehend geperrt.
Nachdem alle Formalitäten erledigt waren, konnte man neu beginnen. Auf Initiative des Notvorstandes wurde eine Versammlung einberufen. An dieser Versammlung nahmen u. a. O.K.D. Rink, Bürgermeister Koopmann und Lehrer Kutz teil. Koopmann wurde vom O.K.D. Rink zum 1. Vorsitzenden bestimmt.
Die sportlichen Aktivitäten, die vor dem Kriege bestanden, wurden wieder aufgenommen.
Durch die Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten war hier eine starke Bevölerungsdicht. Dadurch wurden auch im TuS neue Akzente gesetzt.
1946 wurde die Fußballabteilung mit großem Interesse ins Leben gerufen. Fußballschuhe konnten nur auf dem schwarzen Markt gegen Lebensmittel eingetauscht werden; Trikots, damal blau- weiß, wurden von den Frauen der Fußballer aus alten Hemden hergestellt.
Für Fahrten zu den auswärtigen Spielen stellte Karl Busalla seinen Lastwagen mit Holzgas- Motor zur Verfügung. Wenn dieser dann Sonntags losfuhr, waren nicht nur die Spieler, sondern auch die Frauen und Freundinnen mit auf der Ladefläche. Dieses war ein willkommener Ausflug, da man sonst aus dem Dorf kaum herauskam.
Die Hemslinger spielten sehr erfolgreich und schafften 1948 den Aufstieg in die Bezirksklasse. Die Gegener waren u. a. Stade, Bremervörde, Sittensen, Rotenburg und Zeven. In dieser Klasse konnte man sich allerdings nicht lange halten.
Durch die weiten Fahrten und die damit verbundenen hohen Kosten gab es Reibereien zwischen den Turnern und Fußballern. Aus diesem Grunde trat der 1. Vorsitzende Koopmann im Jahre 1949 zurück und Wilhelm Cordes wurde sein Nachfolger.
Bei einem Heimspiel in der Spielsaison 1949/50 kam es zwischen den Zuschauern beider Team´s und den Spielern zu einer folgenschweren Schlägerei mit Füßen, Fäusten und Spazierstöcken. Auf Grund dieses Vorfalles bekam der Verein eine einjährige Platzsperre. Deshalb verließen einige Fußballer den Verein und der 1. Vorsitzende trat zurück.
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